Stellen Sie sich vor, wie ein Kandidat im Bewerbungsgespräch seine beste Seite zeigt. Er ist charmant, selbstbewusst, professionell und glaubwürdig. Er hat mehr Ausstrahlung als die anderen Bewerber und wirkt trotzdem bodenständig. Er weiß, was er will und was er sagen muss. Die Vorstellung, dass seine Qualitäten, sein Wissen und seine Fähigkeiten in Zukunft in der ausgeschriebenen Position zum Einsatz kommen werden, ist verlockend. Allerdings können Sie sich eine Frage nicht wirklich beantworten: „Sitzt vor mir gerade ein Narzisst?“
Probleme mit Narzissten im Unternehmen werden fast immer zu spät erkannt und Maßnahmen oft erst dann ergriffen, wenn der Schaden bereits hoch ist. Dabei verursachen Narzissten in vielen Fällen enorme Kosten. Nicht nur, weil sie ihre Leistungsversprechen selten längerfristig halten können und daher – früher oder später – hinter den in sie gesetzten Hoffnungen und Erwartungen zurückbleiben. Was letztlich noch größere wirtschaftliche Schäden anrichtet, sind die zwischenmenschlichen Probleme und Spannungen, die sie verursachen.
Konflikte und sogar Burnouts im Team, Leistungsabfall und Kündigungen von Schlüsselmitarbeitern, aber auch Vertrauensverlust von Kunden und Imageprobleme für das Unternehmen sind nur einige der Themen, die durch Narzissten im Arbeitsumfeld an der Tagesordnung sind. Hinzu kommt, dass ein Narzisst oft schnell „Verbündete“ findet, die ihm helfen, die eigenen Interessen durchzusetzen, negative Konsequenzen zu vermeiden und sich möglichst lange im Unternehmen zu halten.
Viele narzisstische Persönlichkeiten sind geradezu brillant darin, ihre „dunkle Seite“ möglichst lange zu verbergen. Wenn sie in Frage gestellt werden, bieten sie Erklärungen oder Ablenkungstaktiken, um Misstrauen zu zerstreuen und Widerstand im Ansatz zu ersticken. Erschwerend kommt hinzu, dass nicht alle Narzissten dem Klischee des „angeberischen Selbstdarstellers“ entsprechen. Fast jeder zweite ist tatsächlich ein „verdeckter“ Narzisst, der typischerweise noch mehr unterdrückten Groll und Zerstörungswillen in sich trägt.
Verdeckte Narzissten haben besonders wenig Hemmungen, bei Bedarf in die „Opferrolle“ zu schlüpfen, um zu verhindern, dass andere aus ihrem manipulativen Verhalten Konsequenzen ziehen. Sie streben eher selten nach höheren Führungspositionen, tun aber trotzdem alles, um ihr Umfeld zu ihrem Vorteil zu kontrollieren. Andererseits macht es letztlich kaum einen Unterschied, mit welchem „Typ“ von Narzissten wir es zu tun haben, denn die Prinzipien, nach denen sie operieren, sind immer dieselben. Zumal jeder Narzisst es beherrscht, nach Bedarf die Rolle zu wechseln und seine Klaviatur an Manipulationsstrategien flexibel anzupassen.
Wer das eigene Unternehmen und die Unternehmenskultur vor Narzissten schützen will, benötigt mehr als nur „Küchenpsychologie“ und gutgemeinte Ratschläge. Erfahrungsgemäß sind auch Psychotherapeuten und Psychiater meist erst nach mehreren Sitzungen in der Lage, „Schein“ von „Sein“ bei einer narzisstischen Persönlichkeit zumindest teilweise zu trennen. Natürlich macht ein akademisches Studium relevantes Wissen zugänglich. Es vermittelt jedoch nicht die notwendigen praktischen Fähigkeiten, um Narzissten schnell und zuverlässig zu demaskieren.
Für Unternehmer, Führungskräfte und Personalverantwortliche ist es wichtig, Warnsignale möglichst schon im ersten Kontakt zu identifizieren und mit den richtigen Fragen und Reaktionstests schnell Klarheit zu erreichen. Sie benötigen daher alltagstaugliche Vorgehensweisen und effektive Strategien, die auch professionelle Profiler einsetzen, um die Tarnungsmanöver gefährlicher Persönlichkeiten zu durchschauen.
Narzissmus ist weiter verbreitet, als sich die meisten Menschen vorstellen können. Dementsprechend lässt sich auch der Umgang mit narzisstischen Persönlichkeiten im Alltag nicht immer vermeiden. Wenn sich ein Narzisst bereits im Unternehmen „festgesetzt“ hat, ist es oft schwierig, den Schaden zu begrenzen und die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Wobei dasselbe gilt, wenn Kunden oder Geschäftspartner narzisstisches Verhalten zeigen und deutlich wird, dass wir, selbst wenn wir einen Menschen als Narzissten erkennen, nicht unbedingt auch effektiv mit ihm umgehen können.
Narzissten beherrschen es instinktiv, individuelle Schwachpunkte anderer Menschen gegen sie zu verwenden. Sie wissen, wie sie ihre eigenen Vorteile ausspielen können, um sich die Kontrolle zu sichern. Es fällt ihnen leicht, logische Argumentationen und vernunftbasiertes zwischenmenschliches Verhalten an sich abprallen zu lassen und die Schuld für die Probleme, die sie verursachen, anderen zuzuschieben. Was bedeutet, dass sie, auch nachdem ihnen Fehlverhalten nachgewiesen wurde, meist noch möglichst viel Schaden anrichten und sich dabei in jeder Hinsicht im Recht fühlen.
Führungskräfte, die echte „Immunität“ gegen narzisstische Einflussnahme entwickeln und Konflikten mit Narzissten konstruktiv begegnen wollen, müssen nicht nur die Mechanismen kennen, auf denen narzisstische Manipulationen basieren. Ebenso wichtig ist, die eigenen inneren Strukturen zu verstehen, die es jedem „normalen“ Menschen so schwer machen, in jeder Situation die passende Antwort auf narzisstisches Verhalten parat zu haben. Nur so ist es möglich, narzisstische Manipulation mit geeigneten Gegenstrategien zuverlässig auszuhebeln, Angriffe ins Leere laufen zu lassen und sinnvolle Konsequenzen zu ziehen.
Mit mehr als 25 Jahren Erfahrung als Coach, Seminarleiter sowie Berater mit interdisziplinären akademischen Wurzeln (Studium der Pädagogik, Psychologie, Philosophie und Medizin an der Universität München) biete ich Expertise in der Arbeit mit zwischenmenschlichen und unternehmenskulturellen Dynamiken, interner und externer Unternehmenskommunikation sowie angewandter Kommunikationspsychologie im Kontext von Führung, Öffentlichkeitsarbeit, Verhandlung, Krisenmanagement und beziehungsbasiertem Verkauf.
Seit mehr als einem Jahrzehnt begleite ich Menschen, die – im beruflichen oder privaten Umfeld – mit narzisstischen Persönlichkeitsstrukturen konfrontiert sind. Außerdem habe ich als Organisator und Co-Trainer von Ausbildungen in Traumaarbeit, mit Teilnehmern aus über 30 Ländern und von 6 Kontinenten, umfangreiche Erfahrungen damit gesammelt, komplexe Beziehungsdynamiken in interkulturellen Kontexten nachzuvollziehen und zu vermitteln.
Mein Ansatz basiert auf intensiver Auseinandersetzung mit psychologischen Methoden und Techniken – insbesondere aus den Bereichen strategische Kommunikation, Einflusspsychologie, psychologisches Profiling, Führungs- und Autoritätspsychologie sowie Persönlichkeitsentwicklung – und zielt darauf ab, neue Perspektiven zu eröffnen und nachhaltige Veränderungen anzustoßen.